Übereinkommen über die Rechte des Kindes

Staatliche Obhut

MichelangeloDie UN-Kinder­recht­skon­ven­tion geht davon aus, daß grund­sät­zlich die Fam­i­lie die natür­liche Umge­bung “für das Wach­sen und Gedei­hen ihrer Mit­glieder, ins­beson­ders der Kinder”, ist; dort soll den Kindern “der erforder­liche Schutz und Bei­s­tand gewährt wer­den”, vgl. Präam­be­lab­satz 5. Ein Kind, das nicht — oder nicht mehr — in sein­er Fam­i­lie aufwach­sen kann, ist darum beson­ders schutzbedürftig.

Nach Artikel 20 Absatz 1 der UN-Kinder­recht­skon­ven­tion soll das Kind dann “Anspruch auf den beson­deren Schutz und Bei­s­tand des Staates” haben. Prak­tisch wird dieser Schutz vor allem dadurch ver­wirk­licht, daß staatliche Behör­den wie z. B. die Jugendämter und Gerichte ein­greifen, wenn die beson­dere Schutzbedürftigkeit des aus sein­er famil­iären Umge­bung her­aus­gelösten Kindes dies erfordert. Dies soll vor allem zu dem Zweck geschehen, das schutzbedürftige Kind ein­er anderen Form der Betreu­ung zuzuführen, Artikel 20 Absatz 2.

Welche “andere Form der Betreu­ung” vorge­se­hen wird, bleibt dem jew­eili­gen Ver­tragsstaat über­lassen. Artikel 20 Absatz 3 der UN-Kinder­recht­skon­ven­tion führt vier Beispiele solch­er For­men ander­er Betreu­ung an. Abge­se­hen von der Kafala nach islamis­chem Recht sind sämtliche der genan­nten Betreu­ungs­for­men dem Recht der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land geläu­fig. Dies gilt für die Unter­bringung in ein­er Pflege­fam­i­lie (vgl. § 33 SGB VIII), für die Heimunter­bringung (§ 34 SGB VIII) und für die Adop­tion (vgl. §§ 1741 ff. BGB).

 

Artikel 20
(1) Ein Kind, das vorüberge­hend oder dauernd aus sein­er famil­iären Umge­bung her­aus­gelöst wird oder dem der Verbleib in dieser Umge­bung im eige­nen Inter­esse nicht ges­tat­tet wer­den kann, hat Anspruch auf den beson­deren Schutz und Bei­s­tand des Staates.

(2) Die Ver­tragsstaat­en stellen nach Maß­gabe ihres inner­staatlichen Rechts andere For­men der Betreu­ung eines solchen Kindes sich­er.

(3) Als andere Form der Betreu­ung kommt unter anderem die Auf­nahme in eine Pflege­fam­i­lie, die Kafala nach islamis­chem Recht, die Adop­tion oder, falls erforder­lich, die Unter­bringung in ein­er geeigneten Kinder­be­treu­ung­sein­rich­tung in Betra­cht. Bei der Wahl zwis­chen diesen Lösun­gen sind die erwün­schte Kon­ti­nu­ität in der Erziehung des Kindes sowie die eth­nis­che, religiöse, kul­turelle und sprach­liche Herkun­ft des Kindes gebührend zu berück­sichti­gen.