Schutz vor kör­per­li­cher und geis­ti­ger Gewalt­an­wen­dung und Misshandlung

Mädchen

Arti­kel 19 der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on ver­pflich­tet die Ver­trags­staa­ten, Schutz­maß­nah­men zuguns­ten von Kin­dern zu tref­fen, die sich in der Obhut von Eltern oder ande­ren Sor­ge­be­rech­tig­ten befinden.

Art­kel 19 Absatz 1 der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on ver­langt von ihren Unter­zeich­ner­staa­ten Maß­nah­men gegen “jede Form kör­per­li­cher Gewalt­an­wen­dung”. Dies bedeu­tet nicht, daß die Ver­trags­staa­ten gehal­ten wären, jede, auch maß­vol­le kör­per­li­che Züch­ti­gung als Erzie­hungs­mit­tel zu ver­bie­ten. Ein so weit­ge­hen­des Ver­bot ergibt sich nicht aus dem Wort­laut, weil der im authen­ti­schen eng­li­schen Text ver­wen­de­te Begriff “vio­lence” soviel bedeu­tet wie “unlaw­ful use of for­ce”, also rechts­wid­ri­ge Gewalt­an­wen­dung (Oxford Dic­tion­a­ry of Cur­rent Eng­lish). Letzt­lich obliegt es damit den Ver­trags­staa­ten, den Inhalt des Gewalt­be­griffs näher zu bestimmen.

Arti­kel 19
(1) Die Ver­trags­staa­ten tref­fen alle geeig­ne­ten Gesetzgebungs‑, Verwaltungs‑, Sozi­al- und Bil­dungs­maß­nah­men, um das Kind vor jeder Form kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Gewalt­an­wen­dung, Scha­dens­zu­fü­gung oder Miß­hand­lung, vor Ver­wahr­lo­sung oder Ver­nach­läs­si­gung, vor schlech­ter Behand­lung oder Aus­beu­tung ein­schließ­lich des sexu­el­len Miß­brauchs zu schüt­zen, solan­ge es sich in der Obhut der Eltern oder eines Eltern­teils, eines Vor­munds oder ande­ren gesetz­li­chen Ver­tre­ters oder einer ande­ren Per­son befin­det, die das Kind betreut.

(2) Die­se Schutz­maß­nah­men sol­len je nach den Gege­ben­hei­ten wirk­sa­me Ver­fah­ren zur Auf­stel­lung von Sozi­al­pro­gram­men ent­hal­ten, die dem Kind und denen, die es betreu­en, die erfor­der­li­che Unter­stüt­zung gewäh­ren und ande­re For­men der Vor­beu­gung vor­se­hen sowie Maß­nah­men zur Auf­de­ckung, Mel­dung, Wei­ter­ver­wei­sung, Unter­su­chung, Behand­lung und Nach­be­treu­ung in den in Absatz 1 beschrie­be­nen Fäl­len schlech­ter Behand­lung von Kin­dern und gege­be­nen­falls für das Ein­schrei­ten der Gerichte.

Den in Arti­kel 19 Absatz 1 genann­ten Zie­len die­nen in Deutsch­land ins­be­son­de­re die viel­fäl­ti­gen Hil­fen im Rah­men des Ach­ten Buches des Sozialgesetzbuchs—Kinder- und Jugend­hil­fe. Schutz­maß­nah­men wer­den in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im übri­gen vor allem auf­grund des Geset­zes zum Schutz der Jugend in der Öffent­lich­keit sowie des Geset­zes über die Ver­brei­tung jugend­ge­fähr­den­der Schrif­ten getroffen.

Zudem genie­ßen Kin­der und Jugend­li­che gegen­über den Gefah­ren, die ihnen durch die Fami­lie dro­hen, einen beson­de­ren Schutz durch das Straf­recht. Zu nen­nen sind hier als ein­schlä­gi­ge Straf­vor­schrif­ten beson­ders § 223 b (Miss­hand­lung Schutz­be­foh­le­ner), § 170 d (Ver­let­zung der Für­sor­ge- und Erzie­hungs­pflicht), § 174 (Sexu­el­ler Miss­brauch von Schutz­be­foh­le­nen), § 177 (Ver­ge­wal­ti­gung), § 178 (Sexu­el­le Nöti­gung), § 179 (Sexu­el­ler Miss­brauch wider­stands­un­fä­hi­ger Per­so­nen) und § 180 a Abs. 2 StGB (För­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on bei Per­so­nen unter 21 Jahren).

Arti­kel 19 Absatz 2 der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on gibt eine Auf­zäh­lung der in Betracht kom­men­den Schutz­maß­nah­men. Hier­bei geht es vor allem auch um vor­beu­gen­de Maß­nah­men, die ergrif­fen wer­den sol­len, um die in Absatz 1 beschrie­be­ne schlech­te Behand­lung von Kin­dern mög­lichst zu verhindern.

Das neue Ach­te Buch des Sozialgesetzbuchs—Kinder- und Jugendhilfe—enthält eine Viel­zahl von- all­ge­mei­nen För­de­rungs­leis­tun­gen und indi­vi­du­el­len Erzie­hungs­hil­fen mit dem Ziel, Eltern und ande­re Erzie­hungs­be­rech­tig­te bei der Erzie­hung zu bera­ten und zu unter­stüt­zen und Kin­der und Jugend­li­che vor Gefah­ren für ihr Wohl zu schüt­zen. Einen Schwer­punkt bil­den dabei ambu­lan­te Hil­fen zur Erzie­hung (wie z. B. die sozi­al­päd­ago­gi­sche Familienhilfe).

Sozi­al­päd­ago­gi­sche Fami­li­en­hil­fe soll durch inten­si­ve Betreu­ung und Beglei­tung Fami­li­en in ihren Erzie­hungs­auf­ga­ben, bei der Bewäl­ti­gung von All­tags­pro­ble­men, der Lösung von Kon­flik­ten und Kri­sen, in Kon­takt mit Ämtern und Insti­tu­tio­nen unter­stüt­zen und Hil­fe zur Selbst­hil­fe geben (§ 31 SGB VIII).

Für aku­te Kon­flik­te sieht das Gesetz auch die Mög­lich­keit der Bera­tung von Kin­dern und Jugend­li­chen ohne Kennt­nis des Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten vor (§ 8 Abs. 3) sowie die Ver­pflich­tung des Jugend­amts, ein Kind oder einen Jugend­li­chen in sei­ne Obhut zu neh­men (§ 42 Abs. 2 und 3).

Ist die Beschrän­kung bzw. der Ent­zug der Per­so­nen­sor­ge not­wen­dig, so ist das Fami­li­en­ge­richt anzu­ru­fen, das die not­wen­di­gen Maß­nah­men nach § 1666 BGB zu tref­fen hat.

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